Gott spricht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66,13)

10. Januar 2016 | Eingetragen bei: Angebot | 0

 

Jahreslosung 2016

 

Die Jahreslosung 2016 stammt aus Jesaja 66,13 und lautet: Gott spricht: ich will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Gott, wie eine Mutter – oder Vater

von Pfarrerin Erika Compagno

Ganz viele Bilder gehen mir da durch den Kopf, Gott wie eine Mutter oder dann doch wie ein Vater. Jeden Sonntagmorgen beten wir das „Unser Vater“ im Gottesdienst, und manchmal beten wir „unsere Mutter, unser Vater“.

Geht es darum die beiden Rollen von Elternschaft zu fixieren, Vater oder Mutter total anders oder doch gleich? Geht es in diesem Text überhaupt um zugeschriebene Rollen, oder aufgelockerte Rollen, neue Rollen im Familienalltag? Ich denke nicht. Ich denke es geht darum die weibeliche Seite Gottes zu betonen und dafür war zur Zeit als der Jesajatext geschrieben wurde kein anderes Bild zur Verfügung als das Bild der Mutter. Heute sprechen wir von weiblichen und männlichen Seiten Gottes, wobei auch das schon wieder einschränkend beziehungsweise festschreibend ist. Also lasse ich diese Diskussion lieber beiseite.

Jesaja will mit: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ eine weitere Seite Gottes betonen neben dem Kraftvollen, eingreifenden, herrschenden Gott und er will diese Seite Gottes dem Volk möglichst plastisch und verständlich nahe bringen. Es ist sinnvoll einfach das zu lesen und dem nachzuspüren – Gott, der tröstet, … wie die Mutter auf dem Foto ihre Tochter.

Trost

Ich brauche Trost. Zum Beispiel, wenn ich frustriert bin, weil ich mich bis zum Umfallen engagiert habe und es danach vor allem Kritik hagelt. Das macht fertig. Oder wenn ich traurig bin, weil mir jede Perspektive abhanden gekommen ist oder der Schwung für neue Aufgaben. Vor allem, wenn jemand stirbt, der mir viel bedeutet, brauche ich Trost.

Ich denke diese Erfahrung teile ich mit vielen. Nicht immer, zum Glück, aber immer mal wieder. Wir brauchen Trost immer dann, wenn uns etwas verloren geht, das unser Leben ausgemacht hat: sei es die Heimat, sei es der Job, die Ehe oder eben ein Mensch. Und wenn ich die Nachrichten sehe, die sich meistens um Katastrophen drehen, frage ich mich: Ist die Welt noch bei Trost?

Ich denke es gibt zwei Arten von Trost: Die eine ist ein Mensch, der mich einfach seine Nähe spüren lässt. Vor dem ich mich nicht rechtfertigen muss. Die andere ist eine neue Perspektive, die ich gewinne. Das frustrierende Projekt sieht ein anderer Mensch mit ganz anderen Augen. Durch ein paar Sätze zeigt er oder sie mir: Es geht weiter.

Gott-mit-uns

Der tröstende Gott, ist so gesehen ein Gott, der verarbeiten hilft und in die Zukunft begleitet, mit männlichen und weiblichen Anteilen. Der tröstende Gott ist auch der nahe Gott – der „Gott-mit-uns“ am Ende des Jahres und in das neue Jahr.

 

Was ist die Jahreslosung?

Die Jahreslosung wird von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen ausgewählt. Die Texte sind möglichst knapp und einprägsam und widerspiegeln zentrale Aussagen der Bibel.