Reformstruktur: Denkanstösse aus der Vierten Grossgruppenkonferenz

29. Februar 2016 | Eingetragen bei: Information | 0

grossgruppenkonferenz ImpressionIm Rahmen der Strukturreform der Reformierten Kirche in der Stadt Zürich fand Ende Januar 2016 die vierte Grossgruppenkonferenz statt. Eineinhalb Tage diskutierten 180 Personen aus 34 Kirchgemeinden, Institutionen und der Geschäftsstelle des Stadtverbands über die zukünftige Ausgestaltung der neuen Kirche. Auch Mitglieder der Kirchenpflege vom Friesenberg nahmen teil. Den Auftakt machten drei gehalt- volle Referate in der Kulturhelferei.

 

Resultate der beiden vorherigen GGK wurden in einem Diskussionspapier gesammelt und unter der Frage „Braucht es innerhalb des Reformprozesses neue Denkanstösse?“ verdichtet.

Vorgelegt wurden diese Ergebnisse drei eingeladenen Referenten, von den man sich nun erneut Impulse für die 4. GGK erhoffte. Und die gab es denn auch. Geliefert wurden persönliche Sichtweise zu den Interpretationen und Operationalisierungen der kirchlichen Tätigkeiten und deren Verortung im Kirchenkreis.

Regula Rother, Leiterin der Zürcher Stadtmission, erstaunt an den bisherigen Ergebnissen, dass Aspekte wie Ärger, Kritik oder Angst keinen Platz finden. Hans Strub von der zuständigen Reform-Arbeitsgruppe ergänzt: „Es stimmt, dass das Negative nicht im Vordergrund steht, denn wir sprechen von Versöhnung, doch ihr geht stets ein Prozess voraus, der uns erzürnt oder geärgert hat.“

Niklaus Peter, Dekan, Pfarrer Fraumünster und Schweizer Predigt-Preisträger 2014 zeichnet für die Reform das Bild eines Schiffs und wünscht sich Strukturen, die das Schiff auch in Stürmen nicht zum Kentern bringt. „Denn der Umbau des Schiffes findet auf dem offenem Meer stattfindet. Da kann viel schief gehen. Darum muss man die Passagiere dafür begeistern.“

Hannes Lindenmeyer, Präsident der Kirchgemeinde Aussersihl und Mitglied der Zentralkirchenpflege (ZKP) stieg mit einer Frage in die Debatte ein: „Um wen geht es eigentlich in dieser Reform?“ Drei Zielgruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen macht er aus:

A: Die heute in den Kirchgemeinden Aktiven: Mitarbeitende, Behörden, Freiwillige.

B: Die Passivmitglieder– die Steuern zahlenden Jahreschristen und Kasualienkunden.

C: Die Nicht-Mitglieder– ausgetretene, nie eingetretene, indifferent.

Dass die Kategorisierung nicht immer ganz eindeutig ist, macht er anhand eines persönlichen Beispiels deutlich:

Über den formell geäusserten Wunsch einer Antragstellerin für den Kirchenaustritt setzte er sich hinweg und kontaktierte sie. Er eröffnete einen Dialog, einen konstruktiven, einen fragenden. Er teilte ihr mit, dass es ihm als Kirchenpräsident ein Anliegen sei und nicht leicht fiele, sie einfach aus der Gemeinde gehen zu lassen, dass ein Kirchenaustritt nicht so zu werten sei wie die Kündigung eines Abonnements. Am Ende gewann er sie wieder: als freiwillig engagiertes, ausgetretenes Nicht-mehr-Mitglied der reformierten Kirche – als A, ehemals B, nun aber C.

Die Kategorien der skizzierten Zielgruppen fanden sich noch am nächsten Tag in den Diskussionen wieder. Und beantworteten die eingangs gestellte Frage: Ja, es braucht sie, die neuen Denkanstösse. Wozu? Um Chancen für eine Neupositionierung zu erkennen.

 

Was geschieht in der Phase 1: Februar 2015 – Juni 2016 – Prozess Governance/Teilstrukturen

Der Zeitplan steht: Bis 2019 soll aus 34 Kirchgemeinden eine einzige städtische Kirchgemeinde entstehen. In drei Phasen ist das Reformprojekt angelegt. Angestossen wurde es in 2015. Aktuell befinden wir uns in der Phase 1.

Gestützt auf den Beschluss der Zentralkirchenpflege vom 28. Januar 2015 wurde Phase 1 des Reformprojekts durch die Projektsteuerung unter der Leitung des Gesamtprojektleiters Andreas Hurter, Präsident des reformierten Stadtverbands, unverzüglich gestartet.

Reform ist auf Kurs

Wichtige „Produkte“ der Phase 1, die per Mitte 2016 vorliegen müssen, sind insbesondere eine Kirchgemeindeordnung sowie ein Zusammenschlussvertrag. Hierfür sind weitere Vertiefungsarbeiten zu leisten. Um diese möglichst zielgerichtet angehen zu können, sind einige wenige richtungsweisende Vorentscheide zur Grundstruktur einerseits sowie zur provisorischen Anzahl der Kirchenkreise andererseits notwendig.

Die Mitglieder der Zentralkirchenpflege (ZKP) fällten am 2. Dezember 2015 einen ersten richtungsweisenden Vorentscheid in der Umsetzung der neuen Strukturen der reformierten Kirche der Stadt Zürich. Eine grosse Mehrheit sprach sich dafür aus, dass ab 2019 die neue Kirchgemeinde in einem Kirchenparlament, einer Kirchenpflege und in 10 Kirchenkreisen organisiert sein soll.